David Copperfield in Cannes

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Es ist zwar eine Unart, aber mittlerweile gehört es dazu, dass die Organisatoren des Cannes Lions Festivals Superprominente einladen und auf die Bühne stellen. Früher war das Festival bekanntlich nur für Werbung, aber durch die Umbenennung zum “Festival of Creativity” ist die Bühne buchstäblich frei für jeden, der irgendwie kreativ tätig ist. Und da auch ein Festival die öffentliche Wahrnehmung benötigt, tümmeln sich neben den ganzen Marketeers und Werbern mittlerweile auch superbekannte Filmstars, Politiker, Musiker, Sportler u.s.w.
Als Ideenpurist finde ich diese Entwicklung natürlich unangebracht (peinlicher Höhepunkt war definitiv Sex-and-the-City-Star Sarah Jessica Parker 2014, aber dazu mehr ein anderes Mal). Heute war Eröffnung des Cannes Lions Festivals und ich dachte mir ich lass es ruhig angehen. Nach meiner Akkreditierung im Palais warf ich einen Blick auf das heutige Programm und da war ich schlagartig verzaubert: David Copperfield, der größte, bekannteste und erfolgreichste lebende Illusionist spricht im Debussy-Saal des Palais des Festivals und wird auch ein wenig zaubern.
Trotz des Wissens darüber, dass ich aus diesem Vortrag nichts, aber auch gar nichts, nicht einmal eine Mini-Erkenntnis erlangen werde, bin ich rein um ihn zu sehen. David Copperfield, der Ex von der Schiffer (die Älteren werden sich erinnern).

Gut 40 Minuten später hatte ich recht behalten. Wobei der 59jährige mit satt schwarzen Haaren (“der färbt” sagte mein Sitznachbar als Copperfield die Bühne betrat) nach wie vor eine beeindruckende Erscheinung ist. Er spielt fast 600 Shows pro Jahr (bis zu drei Shows am Tag in Las Vegas) und hat als einziger Künstler auf der ganzen Welt mittlerweile einen Ticketumsatz von über drei Milliarden Dollar generiert.

Angesprochen auf seinen Erfolg erklärt er sich diesen mit folgendem Dreisatz:
alle seine Tricks sind einfache, verständliche Storys (verschwinden lassen eines Flugzeugs, eines Zugwaggons, der Freiheitsstatue etc.)
Zweitens er überrascht und verblüfft. Er macht Sachen in seinen Illusionen, mit denen man nicht rechnet. In seiner Illusion “Death saw” zum Beispiel muss er sich aus einer Kiste befreien, während eine riesige Kreissäge auf ihn zusteuert. Zur Überraschung aller schafft er nicht die Entfesselung, sondern zersägt sich vor den Augen des Publikums.
Sein drittes Geheimnis ist, dass er das Publikum nicht foppen möchte, sondern sie emotional fangen will. Er will sein Publikum immer in seine, oft sehr persönliche, Geschichten mitnehmen.

In Werbersprech übersetzt sind seine drei Erfolgsfaktoren: einfach, überraschend und emotional. Diese Erkenntnis gibt es seit dem es Werbeprofis gibt und genau aus diesem Grund…

Als Beispiel für eine besonders persönliche und emotionale Note seiner Geschichten zeigte er eine Nummer, in welcher er Anfang der 90er Jahre Schnee schneien lies.
Und alle waren verzaubert und wussten, das Cannes Lions Festival 2016 kann nur besser werden.

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