Silicon Valley Tour

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Woran man weiss, dass man im Silicon Valley ist? Nun, wenn man kurz vor Weihnachten als 3D-Figur im 3D Shop neben Google Gründer Larry Page zur Abholung bereitsteht, dann ist man im Silicon Valley.

Wenn man wie ich Bloggt und Vorträge hält muss man permanent nach den neuesten Trends und Entwicklungen Ausschau halten. Es gibt viele Möglichkeiten das zu tun und ich denke ich übertreibe nicht, wenn ich sage, dass ich nahezu alle Möglichkeiten des Trendscouting und Tracking bereits ausprobiert habe – eine davon und das ist mir die liebste – ist die der Erkundungsreise.

Dazu eignen sich Städte wie Berlin, London, New York, Seoul, Tokio, Tel Aviv und natürlich: San Francisco mit dem gesamten südlich darunter liegenden Silicon Valley. Mit Orten wie Palo Alto, Mountain View, Cupertino und San Jose.

Für meine 2015 Erkundungsreise zog es mich dorthin. Der Landstrich auf der Welt, in welchen wie an keinem anderen Ort der Erde Geld in Start-Ups gesteckt wird und wie in keinem zweiten gleich mehrere Innovationen ihren Anfang nahmen. In diesem Kurzbericht will ich zwei Erkenntnisse meiner Silicon Valley Reise mitteilen.

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„Das Geld liegt auf der Straße“

Mit einer kleinen Expertenrunde flog ich Ende November nach San Francisco. Schwerpunkt der Reise sollte es sein, ein paar Start Ups zu treffen, News aus der Venture Capital Seite erhalten und einigen Wissenschaftlern zu begegnen, um etwas über ihre Forschungsschwerpunkte zu erfahren.

Die ersten Punkte sind schnell abgehandelt. Die Start-Up Szene floriert wie eh und je. Die großen Erfolge von Uber, Airbnb oder Facebook haben noch mehr Kapitalgeber ins Valley gelockt. 15 Jahre nach dem platzen der Dotcom Blase fließt das Kapital wieder in jede Menge Ideen und Neugründungen. Erfreulicherweise und das ist ein Unterschied zur ersten Blase, ist das ganze Investoren-Business-Angel-Business professionalisiert worden. Finanzierungsrunden und Verträge wurden standardisiert, so dass für beide Seiten mehr Sicherheit besteht.
Aufgrund der Erfahrung, dass 9 von 10 Startups nicht den erwarteten Erfolg einbringen, wird breiter gestreut, daher kann man tatsächlich den Eindruck bekommen, das Geld liege auf der Straße. Oder anders ausgedrückt: den Investoren ist bewusst, dass Sie vermutlich ihr Geld verlieren werden und dennoch steigen sie ein, nicht selten sogar bei denselben Gründern, die zuvor schon einmal gescheitert sind.

Ein Gründer sagte mir, die spannendste Frage im Silicon Valley sei: „How much money do you need to have, to be willing to lose some?“ Investoren sind im Valley mehr als anderswo auf der Welt bereit zum Investieren, allerdings und das ist eine kleine Überraschung, verlangen die Investoren trotz des hohen Digitalisierungsgrades, dass die geförderten Gründer vor Ort sein müssen.

„Make Mentalität“

Die zweite große Erkenntnis der Reise ist, die vorherrschende Make-Mentalität. Während wir in Deutschland von Meeting zu Meeting rennen und Abstimmungsrunde nach Abstimmungsrunde drehen, legt man (so zumindest dem Anschein nach) einfach los. Auch auf die Gefahr hin etwas nicht vollständig durchdacht zu haben. Die Zeiten sind schnelllebiger als je zuvor, sie diskutieren nicht im Kreis herum, sie handeln und korrigieren notfalls unterwegs ihren Kurs. Als Stefan Groschup sein Start-Up vor 10 Jahren in Deutschland begann, hätte ihm seine Bank vielleicht ein Darlehen gegeben, allerdings erst nach mehrmonatiger Überprüfung.

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Einfacher war es dem Ruf aus dem Silicon Valley zu folgen. Binnen kurzer Zeit stand Investorenkapital in Millionen Dollar Höhe bereit. Mittlerweile sind es weit über 50 Millionen Dollar, die in das Unternehmen geflossen sind und „Datameer“ steht vor dem Börsengang. Warum? Weil nicht gezögert wurde, sondern gehandelt.

Diese „wir handeln“ Mentalität fasziniert und begeistert mich, allerdings birgt sie auch Gefahren, bzw. beängstigt sie mich ein wenig. Die Mentalität “des einfach machen” kann, wenn sie mit Unmengen von Geld gepaart ist zu beängstigenden Entwicklungen führen. Raymond Kurzweil und seine Singularity University sind solch ein Projekt. Der begnadete Wissenschaftler ist Begründer der Singularitätstheorie. Derzufolge wird es aufgrund des exponentiellen Wachstums der Technik bereits im Jahre 2037, spätestens 2045, möglich sein, dass Computer genauso denken können wie menschliche Gehirne. Es kommt zur Singularität – wir werden eins mit den Maschinen.

Wenn man der Annahme folgt, dass alles, was uns Menschen ausmacht das Gehirn ist, dann werden wir laut Kurzweil unsere Gedanken in die Cloud uploaden und dort ewig weiterleben können.
Unsterblich als Datensatz, der dort auf andere Daten treffen kann. Dank der zeitgleich sich weiterentwickelnden Stammzellenforschung wird es ebenfalls möglich sein, sich seine menschliche Hülle immer wieder neu zu züchten.

Singularity University

Das gleiche gilt dann natürlich auch für die Robotik – Maschinen werden menschlich. All das könnte man für schräge Wissenschaft oder experimentelle Theorien von Superhirnen halten, wenn, ja wenn nicht die Make-Mentalität wäre. Denn nichts anderes passiert auf dem Moffett-Airfield. Das verlassene alte Militärgelände, auf dem die US Navy und die NASA früher Tests und Forschung betrieben – es liegt zwischen Mountain View und Sunnyvale inmitten des Silicon Valleys – und wurde für die kommenden 60 Jahre von Google gepachtet.

Jenem Unternehmen, das mit 500 Milliarden an der Börse bewertet wird und das Raymond Kurzweil vor zwei Jahren als „Director of Engineering” angestellt hat und ihm die Singularity University finanziert. (?) Es scheint keine Barrieren zu geben, es gibt keine öffentlichen Diskussionen über Ethik und Moral, es wird einfach gemacht, weil man es kann. Das Wissen und das Geld treffen ohne Regulativ aufeinander und das machen sie nicht nur zum Spaß. Allein in den letzten 24 Monaten investierte Google 1,3 Milliarden für den Kauf von Unternehmen aus der Robotik. Auch wenn das ganze stark an Skynet aus den Terminatorfilmen erinnert, denke ich doch dass es ein Gutes, wenn auch zugegeben etwas drastisches Beispiel für die Make-Mentalität im Silicon Valley darstellt.

Selbstverständlich gab es noch viele andere, kleine und größere Erkenntnisse in San Francisco, weshalb ich auch im kommenden Jahr wieder ins Valley auf Erkundungsreise gehen werde.

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